Face ID ist Apples biometrisches Authentifizierungssystem, das auf 3D-Gesichtsscanning mit der TrueDepth-Kamera basiert. Die Technologie erschien erstmals 2017 im iPhone X und ersetzte Touch ID in den Flaggschiff-Modellen. Laut Apple Security Guide beträgt die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Face-ID-Entsperrung durch ein zufälliges Gesicht 1 zu 1 000 000 — 20-mal niedriger als bei Touch ID mit einem einzigen registrierten Fingerabdruck.
Wichtige Punkte
Face ID ist ein biometrisches Authentifizierungssystem, das von Apple für iPhone und iPad entwickelt wurde. Es verwendet die TrueDepth-Kamera, um ein genaues 3D-Modell des Gesichts des Benutzers zu erstellen und es mit einer gespeicherten mathematischen Vorlage zu vergleichen. Das System funktioniert bei völliger Dunkelheit dank Infrarotbeleuchtung.
Das erste iPhone X (2017) führte Face ID als primäre Biometrie ein und ersetzte Touch ID. Laut Apple verwendet das System ein neuronales Netzwerk auf der 16-Kern-Neural Engine, die bis zu 600 Milliarden Operationen pro Sekunde ausschließlich für die Gesichtserkennung verarbeitet. Im Laufe der Jahre hat die Technologie mehrere Generationen durchlaufen — vom iPhone X bis zum iPhone 16 Pro, wo Face ID 30 % schneller arbeitet und mehr Blickwinkel unterstützt.
Der Hauptunterschied zwischen Face ID und seinen Mitbewerbern ist die Verwendung von 3D-Scanning anstelle eines gewöhnlichen 2D-Fotos. Dies macht das System resistent gegen Angriffe mit Bildern, Masken und Videos. Im Jahr 2023 bestätigte Apple, dass Face ID mehr als 10 Milliarden Mal pro Monat für Authentifizierung, Zahlungen und automatisches Ausfüllen von Passwörtern verwendet wird.
TrueDepth ist ein Kameramodul, das aus drei Schlüsselkomponenten besteht: einem Punktprojektor (Dot Projector), einer Infrarotkamera (Infrared Camera) und einem Infrarot-Flutlicht (Flood Illuminator). Alle drei Komponenten arbeiten im 940-nm-Spektrum, das für das menschliche Auge unsichtbar und für das Sehen unbedenklich ist.
Der Projektor verwendet eine Laserdiode und ein VCSEL-Beugungsgitter (Vertical-Cavity Surface-Emitting Laser), um über 30 000 unsichtbare Infrarotpunkte auf das Gesicht des Benutzers zu projizieren. Der VCSEL-Laser arbeitet mit augensicheren Leistungsstufen (Klasse 1 nach IEC 60825) und kann eine Tiefenkarte des Gesichts mit einer Genauigkeit von bis zu 0,1 mm erstellen.
Die Infrarotkamera liest die Reflexion der Punkte, während der Flood Illuminator das Gesicht bei schlechten Lichtverhältnissen mit gleichmäßigem IR-Licht beleuchtet. Die Daten der Kamera werden an die Neural Engine gesendet, die ein 3D-Gesichtsmodell erstellt und es mit der gespeicherten Vorlage in der Secure Enclave vergleicht. Der Vorgang dauert weniger als 400 Millisekunden und wird vollständig auf dem Gerät durchgeführt.
| Komponente | Funktion | Technologie |
|---|---|---|
| Dot Projector | Projiziert 30 000 IR-Punkte | VCSEL-Laser, Beugungsgitter |
| Infrared Camera | Liest Punktreflexion | 1280×960 Pixel, 940-nm-Spektrum |
| Flood Illuminator | Beleuchtet Gesicht mit IR-Licht | 6 LEDs, 940 nm, Klasse 1 |
| Neural Engine | Verarbeitet 3D-Modell | 16 Kerne, bis zu 1 Billion ops/s |
Der Face-ID-Prozess besteht aus drei Phasen: Bildaufnahme, 3D-Modellerstellung und Vorlagenvergleich. In der ersten Phase beleuchtet der Flood Illuminator das Gesicht, und die Infrarotkamera nimmt ein Bild im IR-Spektrum auf. Dann projiziert der Dot Projector ein Array von 30 000 Punkten auf das Gesicht, und die Kamera erfasst deren Verzerrung gegenüber dem Referenzgitter.
Die Neural Engine analysiert die Verzerrung jedes Punktes und erstellt eine Tiefenkarte des Gesichts — einen Satz von 30 000 X-, Y-, Z-Koordinaten, die die Gesichtstopographie beschreiben. Gleichzeitig wird das Infrarotbild von einem zweiten neuronalen Netzwerk analysiert, um Attention Aware zu überprüfen — das System stellt sicher, dass der Benutzer mit offenen Augen direkt auf den Bildschirm schaut.
Die Tiefenkarte und das IR-Bild werden in eine mathematische Vorlage von etwa 3 KB umgewandelt, die mit den in der Secure Enclave gespeicherten Vorlagen verglichen wird. Wenn der Übereinstimmungsgrad den Schwellenwert (in iOS konfigurierbar) überschreitet, gilt die Authentifizierung als erfolgreich. Laut Apple passt sich Face ID an Veränderungen des Aussehens an: Bart, Schnurrbart, Brille, Hüte — das neuronale Netzwerk aktualisiert die Vorlage nach jeder erfolgreichen Entsperrung.
Mit der Veröffentlichung von iOS 15.4 im Jahr 2022 fügte Apple die Unterstützung von Face ID mit Maske hinzu. Das System analysiert nur den Bereich um die Augen — deren Form, Pupillenabstand und Orbitaltiefe. Dazu wird ein spezieller Algorithmus verwendet, der mit Millionen von Bildern von Gesichtern mit Maske trainiert wurde. Die Entsperrung mit Maske ist etwas langsamer (0,6 s gegenüber 0,4 s), bietet aber ausreichende Sicherheit für den täglichen Gebrauch.
Secure Enclave (SEP) ist ein dedizierter Coprozessor in Apple-A7-Chips und neuer, der unabhängig vom Hauptbetriebssystem arbeitet. Im Zusammenhang mit Face ID übernimmt die Secure Enclave zwei Funktionen: Sie speichert biometrische Vorlagen verschlüsselt und führt den mathematischen Vergleich der neuen Probe mit der Vorlage durch. iOS hat keinen Zugriff auf die Rohdaten der Kamera — nur auf das Vergleichsergebnis: Übereinstimmung oder keine Übereinstimmung.
Die Gesichtsvorlage wird mit einem Schlüssel verschlüsselt, der beim ersten Einschalten des Geräts aus der eindeutigen Chip-Kennung (UID) generiert wird. Die UID ist während der Fertigung in die Secure Enclave eingebettet und von außen nicht lesbar. Laut Apple Platform Security kann nicht einmal Apple eine Gesichtsvorlage vom Gerät extrahieren.
Attention Aware ist eine zusätzliche Sicherheitsschicht, die überprüft, ob der Benutzer bewusst auf den Bildschirm schaut. Face ID entsperrt das Telefon nicht, wenn die Augen geschlossen sind oder der Blick zur Seite gerichtet ist. Dieser Schutz verhindert die Entsperrung im Schlaf oder ohne Wissen des Besitzers. Für Menschen mit Sehbehinderungen kann Attention Aware in den Einstellungen deaktiviert werden, was jedoch die Sicherheitsstufe reduziert.
Apple hat Face ID mit mehr als tausend Masken getestet, die von professionellen Spezialeffekt-Herstellern für die Filmindustrie angefertigt wurden. Keine der Masken konnte das System täuschen, dank einer Kombination von Technologien: Die Infrarotkamera analysiert die Wärmestrahlung der Haut, der Dot Projector prüft die 3D-Topographie, und die Neural Engine erkennt Mikrobewegungen der Gesichtsmuskulatur. Es wurde kein bestätigter Fall einer Umgehung von Face ID mit einer Maske auf dem Markt registriert.
Die Wahl zwischen Face ID und Touch ID hängt vom Nutzungsszenario und den persönlichen Vorlieben ab. Face ID arbeitet kontaktlos — der Benutzer muss nur auf den Bildschirm schauen. Touch ID erfordert physischen Kontakt mit einer Taste oder einem Sensor, benötigt aber keinen Blickkontakt mit dem Gerät.
| Parameter | Face ID | Touch ID |
|---|---|---|
| FAR (Falschakzeptanzrate) | 1:1 000 000 | 1:50 000 |
| Geschwindigkeit | 0,4 s | 0,2 s |
| Funktioniert im Dunkeln | Ja (IR-Beleuchtung) | Ja |
| Funktioniert mit Maske | Ja (ab iOS 15.4) | Ja |
| Kontaktlos | Ja | Nein |
| Mehrere Benutzer | Nur 1 Gesicht | Bis zu 5 Fingerabdrücke |
Nach der COVID-19-Pandemie fügte Apple die Möglichkeit hinzu, Face ID mit Maske zu entsperren (iOS 15.4+) — das System analysiert nur den Bereich um die Augen. Für maximale Sicherheit empfiehlt Apple jedoch die Verwendung der vollständigen Gesichtserkennung. Touch ID ist weiterhin auf dem iPhone SE und iPad (Home-Taste) verfügbar und bleibt die bevorzugte Methode für Benutzer, die Masken tragen, Brillen mit dicken Gläsern oder medizinische Kontraindikationen haben.
Das LocalAuthentication-Framework bietet eine einheitliche API für die Arbeit mit Face ID und Touch ID unter iOS. Der Entwickler muss nicht wissen, welcher spezifische Sensor auf dem Gerät installiert ist — das System wählt automatisch die verfügbare biometrische Methode aus. Nachfolgend ein Beispiel für eine Authentifizierung mit Aufmerksamkeitsprüfung.
import LocalAuthentication
class AuthManager {
let context = LAContext()
func authenticate() {
var error: NSError?
guard context.canEvaluatePolicy(
.deviceOwnerAuthenticationWithBiometrics,
error: &error
) else {
print("Biometrie nicht verfügbar: \(error)")
return
}
context.localizedReason = "Authentifizierung für die Anmeldung erforderlich"
context.interactionNotAllowed = false
context.evaluatePolicy(
.deviceOwnerAuthenticationWithBiometrics
) { success, authError in
if success {
print("Authentifizierung erfolgreich")
} else {
print("Fehler: \(authError)")
}
}
}
}
Die Methode canEvaluatePolicy prüft die Verfügbarkeit der Biometrie auf dem Gerät — gibt false zurück, wenn Face ID nicht eingerichtet oder nach zu vielen fehlgeschlagenen Versuchen gesperrt ist. Der Parameter interactionNotAllowed bestimmt, ob das System einen Dialog für den Benutzer anzeigen kann. Für Face ID fügt iOS automatisch das Gesichtserkennungssymbol und die Animation hinzu.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Face ID verwendet 3D-Scanning mit 30 000 Infrarotpunkten, kein normales Foto. Ein flaches Bild erzeugt keine Tiefenkarte, und die Neural Engine erkennt sofort die Fälschung. Selbst eine hochwertige 3D-Maske kann das System nicht täuschen — die Algorithmen überprüfen die Hauttextur und Mikrobewegungen der Gesichtsmuskeln.
Face ID unterstützt nur ein Gesicht pro Gerät. Im Gegensatz zu Touch ID (bis zu 5 Fingerabdrücke) hat Apple Face ID bewusst auf einen Benutzer beschränkt, um die Sicherheit zu erhöhen. Wenn mehrere Personen das Telefon benutzen, entsperrt jeder es mit seinem eigenen Passwort, nicht mit Biometrie.
Ja, Face ID funktioniert bei völliger Dunkelheit hervorragend dank des Flood Illuminator — einer Infrarotbeleuchtung, die das Gesicht mit unsichtbarem Licht einer Wellenlänge von 940 nm beleuchtet. Die Infrarotkamera nimmt das Bild unabhängig von der externen Beleuchtung auf.
Nach 5 fehlgeschlagenen Versuchen wird Face ID gesperrt und das iPhone verlangt das Passwort. Dies ist ein Schutz vor Brute-Force-Angriffen. Nach erfolgreicher Eingabe des Passworts ist Face ID wieder aktiv. Auch beim Neustart des Geräts ist das Passwort erforderlich — die Biometrie ist bis zur ersten Codeeingabe nicht verfügbar.
Ja, Face ID wird verwendet, um Zahlungen über Apple Pay zu autorisieren. Zum Bezahlen genügt ein Doppelklick auf die Seitentaste und ein Blick auf den Bildschirm. Die Transaktion wird durch Biometrie bestätigt, nicht durch Eingabe einer PIN. Ohne Face ID kann die Zahlung nur mit dem Apple-ID-Passwort bestätigt werden.
Zusammenfassung
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